Die Urtinktur ist die Ausgangsstufe vieler homöopathischer Arzneimittel. Sie wird aus frischen oder getrockneten Pflanzen, Mineralien oder tierischen Substanzen hergestellt und enthält die wirksamen Bestandteile in konzentrierter Form. Der Begriff stammt aus der Homöopathie und bezeichnet die unpotenzierte, konzentrierte Grundlösung, die als Basis für die weitere Herstellung dient.
Zur Gewinnung einer Urtinktur werden pflanzliche oder tierische Ausgangsstoffe meist zerkleinert und mit einem Lösungsmittel, häufig Ethanol-Wasser-Gemischen, versetzt. Mineralische Substanzen werden in der Regel durch Verreibung mit Milchzucker aufbereitet. Bei pflanzlichem Material erfolgt die Herstellung nach festen Vorgaben, wie sie im Homöopathischen Arzneibuch (HAB) beschrieben sind. Dabei werden Anteile des frischen Ausgangsmaterials in einem bestimmten Verhältnis mit dem Lösungsmittel angesetzt und über eine festgelegte Zeit extrahiert.
Die Urtinktur bildet die Grundlage für alle weiteren Potenzierungen. Aus ihr werden durch wiederholte Verdünnung und Verschüttelung homöopathische Potenzen hergestellt, beispielsweise D-, C- oder Q-Potenzen. Je nach gewünschter Darreichungsform kann die Urtinktur auch direkt in Tropfenform verwendet werden, sofern dies vorgesehen ist.
In der Pharmazie und Homöopathie ist die Urtinktur ein zentraler Begriff, da sie den unverarbeiteten Wirkstoff in seiner ursprünglichen, aber bereits für die Arzneimittelherstellung aufbereiteten Form darstellt. Sie wird nicht nur für klassische homöopathische Mittel genutzt, sondern auch für isopathische Präparate wie Nosoden.
Synonyme oder verwandte Begriffe sind Muttertinktur, Grundtinktur oder Ausgangslösung. Obwohl „Muttertinktur“ im Sprachgebrauch häufig als gleichbedeutend verwendet wird, ist der Begriff Urtinktur im homöopathischen Kontext präziser und normativ verankert.
Die Qualität einer Urtinktur hängt von der Frische und Reinheit des Ausgangsmaterials, der Art des Lösungsmittels sowie der Einhaltung der Herstellungsrichtlinien ab. Spezialisierte Apotheken und Hersteller unterliegen hierbei strengen Kontrollen, um eine gleichbleibende Qualität zu gewährleisten.